Stephan Klement

Gitarren

Lesezeit: 6 Minute(n)


Details über die jeweiligen Ausstattungsmerkmale wie Hölzer, verwendete Hardware etc. können den verlinkten Seiten entnommen werden. Hier geht es mehr um die Geschichte hinter den Gitarren.

Ich liebe Gitarren. Elektrische und Akustische. Schon immer. Die Klänge, die Formen, das Aussehen. Bei meinen Eltern hing immer eine (damals schon alte) Wandergitarre im Wohnzimmer. Ich glaube, selbst wenn ich nicht spielen würde, hätte ich mindestens eine an der Wand hängen.

 


Lakewood M-18  CP (Link zur M-18 bei Lakewood)
Tonabnehmer aktuell: L.R. Baggs Anthem
Die Hauptgitarre.
2019 war ich, wie so oft, im Musikhaus Schoenau in Gießen und spielte ein paar Gitarren an. Lakewood, quasi ein Nachbar mit Sitz in Gießen, baut wundervolle, hochwertige und perfekt abgestimmte Instrumente, auf die ich schon länger ein Auge geworfen hatte. Unter anderem spielt mein guter Freund Norman Keil Lakewood Gitarren.

Manchmal ist meine Frau zu ihrem Leidwesen mit dabei, wenn ich mir die Zeit nehme, Musikhäuser anzusteuern (es kann durchaus etwas länger dauern, wenn etwas mein Interesse geweckt hat und ich einmal sitze).
Wenn Klang und Bespielbarkeit herausragend sind, sehe ich es am Blick meiner Frau. Ein Blick nach oben. Das Heben einer Augenbraue.
Und auch wenn sie nicht zeigt, dass dieser Gitarrenwahn, den man manchmal so an den Tag legt, ein wenig anstrengend für sie sein kann, so gibt sie doch Zuspruch in entsprechenden Momenten. Wie auch bei diesem Modell.

Ich war kaufwillig, musste das Ganze aufgrund verschiedener Gegebenheiten (zu viele Gitarren zuhause = Platzmangel) kurz überdenken. Wir verließen den Laden.
Draußen rief ich Norman an und fragte ihn nach der Lakewood aus. Er hatte die M-18, die er seit Jahren live gespielt hat, als Backup und ich könne sie mir gern mal eine Zeit lang ausleihen. Wir fuhren vorbei, ich nahm sie mit und hab sie ihm dann abgekauft. Besser eingespielt geht nicht. Seitdem ist sie meine Lady für alles und immer dabei.

 


Lakewood M-14 CP (Link zur M-14 bei Lakewood)
Tonabnehmer aktuell: L.R. Baggs Anthem
Das Backup.

Nun hängt die M-14 ebenfalls, neben vielen anderen wundervollen Instrumenten, im Musikhaus Schoenau. Und verdammt: sie sieht einfach gut aus.
Zwei Jahre hatte ich sie bereits immer wieder mal in der Hand, hab sie auf der Bühne dort mit und ohne Amps getestet und auch hier überkam mich immer wieder dieses wohlige Gefühl, mich auf einem Instrument zuhause zu fühlen.

Ich habe bei jedem Gig immer eine Backup Gitarre mit. Logisch, dass es dann auch eine Lakewood sein muss.
Jetzt ist es offensichtlich, dass bei den beiden Lakewoods unterschiedliche Hölzer verwendet wurden. Ist der klangliche Unterschied deutlich zu hören? Eine oft gestellte Frage. Meines Erachtens ist er marginal. Wie immer kommt es auf die Technik, die Beschaffenheit der Fingernägel, die Plektren, das Stück und so weiter an.
Ich habe aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen. Für mich ist es Zeitverschwendung – ich will spielen und es soll sich gut anhören und -fühlen. Der Rest ist Nebensache, über den sich Theoretiker Gedanken machen können.

Ende vom Lied? Natürlich: ich habe die M-14 dann bei Schönau irgendwann mitgenommen (aus zweiter Hand).

 


Stanford Nova 1 CP (Link zur Nova 1 bei Stanford Guitars)
Tonabnehmer aktuell: L.R. Baggs Anthem

Wir übernachteten im 28. Stock eines Frankfurter Hotels. Hanau liegt ganz in der Nähe. Somit auch der Kult-Gitarren-Laden meines Kumpels Leslie Link: Link’s Musical Instruments.
Leslies Laden hat genau dieses Flair, das ich schon immer mochte: die dunklen Teppiche, die Eichentheke, der Geruch von Musikladen. Leslie selbst ist ein Urgestein der Musikszene und ein unglaublich geiler Gitarrist.
Um Saiten zu holen, benötige ich manchmal eineinhalb Stunden Fahrt – hin und zurück. Doch das ist es mir wert. Zum einen quatschen wir viel, erzählen uns Geschichten, testen Gitarren und fachsimpeln oder blödeln nur. Seine Frau Sonja ist seit Jahrzehnten an seiner Seite und komplett involviert. Man muss irgendwie so sein wie unsere Frauen, um den ganzen Zirkus und diesen fast schon fanatischen Touch der großen Jungs aushalten zu können.

Jedenfalls haben wir einen Abstecher zu Leslie gemacht und da hing sie, die Nova. Es dauerte keine 20 Minuten und sie war meine und hat mich, bis zu meinem Umstieg auf Lakewood, auf diversen Gigs mit Holly Loose sowie solo begleitet und dient mir auch heute noch zwischendurch immer mal als griffbereite Allround-Gitarre, um Songs zu schreiben, zu üben oder einfach nur zu jammen.

An der Nova hatte ich bislang fast alle aktuell angesagten Tonabnehmer verbaut, die es auf dem Markt gibt. Fishmans, Shadows, L.R. Baggs etc. Bewährt hat sich eine Kombination aus L.R. Baggs Anthem und einem K&K Transducer. Letzterer wurde rein für die Percussion Elemente genutzt.

 


Stanford Little Sister (Link zur Little Sister bei Stanford Guitars)

Die kleine Parlor (Bedeutung siehe Wikipedia/engl.) habe ich ebenfalls bei Leslie zum ersten Mal gesehen und gespielt. Neben ihrer praktischen Größe ist sie – man soll es nicht glauben – sehr laut und hat ihren ganz eigenen, faszinierenden Klang, den man schon als oldschool bezeichnen kann.

Eignet sich hervorragend für Stücke wie Windy and Warm, Deep River Blues, Slide-Guitar und überhaupt alles, was knackig rüberkommen und einen bestimmten Touch haben soll.

Netter Nebeneffekt: durch ihre kompakte Größe ist sie die ideale Reisegitarre. Was sich allerdings mit einem Koffer und aufgrund der Lautstärke wieder relativiert.

Als Tonabnehmer dient hier ein K&K Pure Mini, der dem Ton noch eine ganz eigene Note verleiht.

 


Takamine (Nylon, klassisch)

2007 auf der Musikmesse in Ibbenbüren erstanden. Eigentlich wollte ich eine neue E-Gitarre.
Aus einer Laune heraus nahm ich die Takamine in die Hand und hab sie quasi bis heute nicht mehr weggelegt.
Nicht nur die Bespielbarkeit, der weiche Klang, der hervorragende Tonabnehmer (Takamine haben generell interessante Abnahmesysteme. Die Cool Tube Reihe ist der Wahnsinn!) in Verbindung mit dem Messepreis waren Argumente genug.

Vom Klang abgesehen mag ich das Spielgefühl von Nylonsaiten. Während Stahlsaiten einem nach ein paar Stunden Üben die Haut auf den Fingerkuppen malträtiert, fühlen sich Nylonsaiten immer noch weich und geschmeidig an.
Meine erste Gitarre war eine Wandergitarre mit Nylonsaiten. Ich fühle mich noch immer mit ihr verbunden. Zumal die Klassische zu weitaus mehr zu gebrauchen ist als für rein klassische Stücke.
(Tipp: Baden Powell)

 


Thorndal Tellus (Link zu Thorndal Guitars)

Oh – mein – Gott!
Ich besitze immer noch ein paar E-Gitarren, die ich auch hin und wieder spiele. Mal mehr, mal weniger.
Aber die hier – die haut mich immer wieder um!
Es ist quasi ein Traum, den ich mir erfüllt habe. Wobei auch hier wieder ein wenig ausgeholt werden muss…

Es gibt so viele ansprechende Gitarrenformen und gerade in jungen Jahren lechzt man nach den üblichen Modellen. Ganz vorne weg: die Klassiker. Stratocaster und Les Paul. Meine erste E-Gitarre bekam ich von meinem Dad, als ich wahrscheinlich elf Jahre alt war. Eine Fender Stratocaster Kopie (Farbe: sunburst) von Morris. Mit 14 bekam ich eine Fender Squier Stratocaster in butterscotch. Mit 17 dann eine schwarze Strat. Ja, ich bin sehr dankbar, dass ich so unterstützt wurde!
Eine Les Paul habe ich noch nie besessen. Keine Ahnung, warum. Dafür SGs, Teles, Epiphones, Ibanez…

Entweder war es Bruce Springsteen oder Mike Stern – einer von den beiden hat meinen Blick auf die Telecaster gelenkt. Früher fand ich die Form hässlich. Seit Anfang Zwanzig finde ich sie einfach nur noch geil.
Ich habe noch eine Kopie von (kein Witz:) Hyundai. Spielt sich wie Butter, ist aber leider schlecht abgeschirmt und benötigt dringend eine medizinische Behandlung.

2019 war ich dann bei Freunden in Berlin und der übliche Spruch „kennste eigentlich die hier?“ unter Gitarren-Nerds brachte den einen oder anderen Koffer zum Vorschein. Zum Schluss kam die Thorndal hier ans Tageslicht.
Allein schon die drei Tonabnehmer lassen aufhorchen. Da geht doch was…
Dann die Verarbeitung. Der Hals, die Hölzer, die Hardware, Saitenlage. Wow!
Dann angeschlossen (zuerst an einen Mesa Boogie: ein Traum!) und ab ging die Post.

Ich musste sie haben.
Und jetzt habe und liebe ich sie.

 


Last, but not least…

Tatsächlich: meine allererste Gitarre.
Die Wandergitarre, die bei meinen Eltern im Wohnzimmer hing.
Die mein Vater zu Pfadfinderzeiten von seinem Onkel geschenkt bekommen hat. Auf der ich mit vier Jahren schon versucht habe irgendwas zu machen.
Auf ihr habe ich mein allererstes Stück gespielt und sie im Alter von zwölf Jahren für den Unterricht nutzen dürfen, bis ich meine erste eigene klassische bekam.

Mittlerweile ist sie ganz in meinem Besitz und hin und wieder putze ich sie, spiele sie und bin froh, dass ich sie noch habe.

Materiell hat sie mit Sicherheit keinen Wert. Aber ideell – unbezahlbar.

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