Von Eiern. Faulen und zitierten.

POSTED IN Blog, Portfolio14. Oktober 2012

Vor ein paar Tagen hab ich einen Spruch gelesen, über den ich ein paar Tage nachgedacht habe. Dazu vielleicht ein kleiner Exkurs: man stellt sich ja des Öfteren so manche Sinnfrage.
Okay, nicht jeder. Aber so mancher. Die wichtigste aller Fragen wird wohl immer bleiben: sinnoch genuch Bier da?
Jaja, war klar, dass das kommt…
…aber ernsthaft: gibt es noch Leute, die viel lesen? Ich weiß nicht. Viele kenne ich jedenfalls nicht, die sich noch Zeit für Geschriebenes nehmen. Ich gebe zu, es wurde bei mir im Laufe der Jahre auch immer weniger. Wenn es hoch kommt, sind es im Jahr zwischen drei und fünf Bücher, die ich noch lese. Wenn überhaupt.
Was aber bleibt, sind die diversen Zeitschriften und Fachbücher, die ich regelmäßig lese und die horrende Summen verschlingen. Im Keller liegen noch immer ganze Jahrgänge diverser Zeitschriften (nein, keine nackten Weiber). Überall in der Wohnung verteilt liegen Fotozeitschriften, Grafikmagazine oder sonstige Fachliteratur. Und ich lese viel und gern (!) in Foren – gerade zum Thema Fotografie.
Warum das Ausrufezeichen in Klammern? Ganz einfach: Foren liefern eine unendliche Fülle von Wissen. Manchmal sogar von vorhandenem.
Man lernt, ohne sich aktiv daran beteiligen zu müssen, ob man in seinem Fach gut oder schlecht ist. Wobei auch das immer eine relative Sache ist.
Aktuell ist das bei der Fotografie der Fall. Und schon wäre ich beim oben erwähnten Spruch. (Vor ein paar Jahren hätte ich noch Blogeinträge in der Länge von zwei DIN A 4 Seiten darüber verfasst. Nur um überhaupt auf den Punkt zu kommen. Wenn überhaupt.)

Es geht um Kritik. Sachliche Kritik.
Nun war es so, dass ein – nennen wir ihn Kritiker – ein Bild kritisiert hat, welches von einem (im folgenden:) Bildbearbeiter in stundenlanger Kleinstarbeit erstellt wurde. Nein, es geht wirklich nicht um eines meiner Bilder. Nicht mal um das eines Freundes oder Bekannten. Jedenfalls keinen, den ich privat kenne…
Der Kritiker kritisierte, dass das Bild ja eigentlich nicht schlecht ist. Aber… der Schatten hier und da wäre unrealistisch (obwohl gut herausgearbeitet, muss ich dazu sagen. Trotzdem stimmte der Lichtwurf nicht. Fiel aber erst auf, nachdem einer darauf hingewiesen hat). Daraufhin wehrte sich der Bildbearbeiter, da er jeglichen Inhalt seines Bildes in mühsamen Arbeitsschritten einzeln fotografiert hatte und Stunden damit verbrachte, diese in seinem Grafikprogramm zusammen zu würfeln und auf jede noch so kleine Ungereimtheit zu achten: er bedankte sich für die Kritik und meinte, dass er es wohl zu vorschnell ins Internet gestellt habe. Er hätte den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen und hätte noch eine Nacht drüber schlafen sollen.
So weit, so gut. Ich finde beide Reaktionen völlig okay. Man macht sich viel Arbeit, hat Spaß daran, will wachsen; Weiterkommen. Der Kritiker hilft auf seine Art (man muss es eben annehmen können, wie auch immer das aussehen mag…), der Künstler nimmt sich die Kritik zu Herzen und versucht eventuell sein Bestes, um beim nächsten mal ein paar Dinge zu berücksichtigen, die er früher außer Acht gelassen hat. So weit, so gut…
Warum auch immer dieser Dialog dann ausartete (wie so oft in Foren werden schnell Dinge geschrieben, anstatt einfach mal den Mund zu halten und runter zu kommen): es endete damit, dass der Künstler meinte, dass der Kritiker eh keine Ahnung von der Arbeit hätte und warum er sich ohne jegliches Fachwissen überhaupt herausnehmen würde, Werke seiner und der Art anderer zu kritisieren. Darauf antwortete der Kritiker (ich habe seine Fotografie Versuche gesehen. Sie sind grauenhaft. Allerdings sprechen sie mich auch in keiner anderen Weise an: weder technisch noch inhaltlich) – Achtung, jetzt kommt’s:

„ich muss kein Ei zubereiten können, um zu wissen, wie es schmecken muss.“

Pause.
Pause im Forum – Pause bei mir. Den Satz habe ich ein paar Tage mitgenommen ohne den entsprechenden Beitrag zu verfolgen. Im Prinzip sind solche Threads eh immer alle gleich. Nach ein bisschen Klopperei schmust man wieder oder geht sich in der virtuellen und realen Welt aus dem Weg.

Nachdem ich den Satz ein paar Tage lang immer mal wieder durchdacht und auf andere Situationen umgemünzt habe, kam ich zu dem Schluss: der Kritiker hat Recht. Und der Satz ist gut. Allerdings sollte man schon ein bisschen kochen können, damit man wenigstens in etwa weiß, wovon man spricht.
Geht das: ein Kritiker hat Recht, aber keine Ahnung?
Okay, dies tot zu diskutieren überlasse ich dann anderen…

Ich habe daraus auf jeden Fall wieder etwas für mich gewinnen können: weitermachen. Mit all dem, woran ich Spaß habe. Egal, ob einem jemand sagt, dass man ja wohl nicht im Hochformat fotografiert. Man sieht ja Breitbild und nicht hochkant.
Totaler Quatsch.
Wichtig ist erst mal, dass es einem Spaß macht, was man da gerade fabriziert. Geht man ein paar Schritte [und die damit verbundenen (Lehr-)Jahre] weiter, lernt man irgendwann, dass einem jeder was anderes sagt. Sogar die Lehrbücher schreiben was anderes. So mancher Fotograf spricht sich ausdrücklich für das Hochformat aus. Karlheinz Kozlowski vonne Fotofuzzis Entenhausen ist strikt dagegen. Er fotografiert immerhin schon seit 40 Jahren.
Es ist: oft völlig scheißegal, was andere sagen. Spaß haben, Austausch betreiben, an der Sache wachsen. Darum geht’s.
Mir jedenfalls. Und solange ich lesen kann, macht weiter so. Ich kann mich amüsieren und lernen. Immer wieder lernen. Irgendwie ist das mein Ding. Wozu es auch immer gut sein wird.

Wo wir – abschließend – schon bei „wozu“ sind: wozu ich die beiden Bilder hier rein gepackt habe?
Als Beispiel. Früher hätte ich sie toll gefunden und wäre wahrscheinlich erst mal stinkig gewesen, wenn mir jemand gesagt hätte: „aber doch nicht von oben! Die Perspektive! Das Model! Unvorteilhaft! Die Nase! Die Bearbeitung! Grauenhaft!“
Nun ja, das entscheide ich für mich. Die Bilder sind nichts großartiges, vollkommen richtig. Ich halte sie auch mittlerweile nicht mehr für irgendwie gut oder zeigenswert. Dennoch mag ich sie.
1.: sie zu machen hat Spaß gemacht. Es lieft gute Musik, wir haben alle viel gelacht und hatten einen guten Tag
2.: ich bin eigentlich froh, dass ich so Bilder habe. Ich kann sie mir ansehen und mich erinnern, sowie darüber nachdenken, was ich beim nächsten mal besser machen kann
3.: es geht um Spaß! – Und den habe ich!
4.: irgendwo gibt’s immer jemanden, der irgendwas in meine Arbeiten (egal welche, egal ob früher oder heute) hinein interpretiert. Hier ist Futter.

Bis demnächst!

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