Johanngeorgenstadt – Potůčky – Karlsbad (CZ)

POSTED IN Blog, Portfolio14. Januar 2014

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Evil! \m/ :-)

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 …Ab und zu packt uns die Reiselust: ein paar Freunde und meine Wenigkeit verbringen einen spontanen Kurzurlaub: ein Trip irgendwohin, wo uns alle mal gepflegt… Ihr wisst schon.
2013 besonders…

Trotz meiner hauptberuflichen Tätigkeit hatte ich bis dato noch nie von Johanngeorgenstadt gehört. Johanngeorgenstadt grenzt unmittelbar an Tschechien, u.a. dem Örtchen Potůčky (ich hab die Zeichen kopiert. Keine Ahnung, wie sie sonst getippt werden…), wegen seiner Einwohner auch „Klein Hanoi“ genannt. Dort bekommt man Markenklamotten, Zigaretten und Spirituosen en masse zu Spottpreisen. Ob es sich dabei um Plagiate handelt, kann man im Internet zur Genüge nachlesen…

Wir konnten uns allerdings nicht darüber beschweren, von den Marktschreiern (meist ältere Frauen)  belästigt worden zu sein. Nur wenn man einmal in einem Hinterhof mit diversen Klamottenständen gelandet ist, wird man angesprochen. Auf der Straße hat man größtenteils seine Ruhe. Dafür kostet der halbe Liter Bier im Hinterhof nur 50 Cent.

Haltestelle Johanngeorgenstadt  Potucky  Potucky

Die Fahrt nach Johanngeorgenstadt war schon abenteuerlich. Je näher wir Sachsen kamen, umso anstrengender wurden die Witterungsverhältnisse für den ollen Passat meines Kumpels. Während zuhause so gut wie kein Schnee lag, hatten wir dort mehrmals mit den Straßenverhältnissen zu kämpfen. Machte uns aber auch nicht wirklich viel aus. Wir waren froh, dass wir mal wieder unterwegs waren. Dort angekommen wurde kurz ausgepackt und es ging direkt los: mit dem Bus ab nach Tschechien. Fahrzeit ca. 15 Minuten.

Im Kreisel von Potůčky angekommen hatten wir die Qual der Wahl: wo essen, wo trinken wir als erstes? Wir fingen links an und arbeiteten uns im Uhrzeigersinn durch den Kreisverkehr bis wir wieder am Anfang standen. Das reichte auch für den ersten Abend…

Johanngeorgenstadt  Potucky  Potucky

Karlsbad. Sollte man das mal gesehen haben?
Wir nahmen uns vor, anstatt mit dem Auto mit dem Zug nach Karlsbad zu fahren. Eine Fahrt, die polarisierte.
Die uralte Lok mit ihren mindestens genauso betagten zwei Waggons traf genau unseren Nerv.
Wir sind keine Eisenbahnfans in dem Sinne, aber es hat schon was, mit so altem Gerät quer durch die Wälder zu tuckern. Mit einer geschätzten Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und einem Waggon für uns alleine. Meistens jedenfalls.
Draußen schneite es in Stücken, und nachdem wir vom gemütlichen Schaffner unsere Tickets bekamen und er den Waggon wechselte, gönnten wir uns ein Bier und genossen die ca. einstündige Fahrt.

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Auf der Strecke liegen fast durchgehend kleine Bahnhöfe, die einen in andere Zeiten versetzen. Wir stiegen im Schritttempo durch dichten Wald auf, hielten, sahen alte Stationen mit Blick in verschlafene Täler, dichte Wälder und irgendwie Vergangenheit.
Je näher man allerdings Karlsbad kommt, umso mehr ändert sich dieses Bild.
Kalte Betonbauten, Graffiti, Abrissbuden, Holzverschläge und verrottete Wohnwagen.
An manchen Stellen roch es für mich nach Armut; Arbeitslosigkeit.
Nach dem anfänglichen Freiheitsgefühl machte sich Beklommenheit breit.

So fühlten wir uns auch, als wir – in Karlsbad angekommen – in die falsche Richtung liefen: beklommen. Ein dicht besiedeltes Gebiet mit grauen Mehrfamilienhäusern. Das triste Wetter tat sein Übriges.
Nachdem wir uns nach Karlsbad durchfragen konnten und die Innenstadt erreichten, kam auch die Sonne kurz raus. So kehrten wir bei gefühlten -15° und Sonnenschein erst mal ein…

  Karlsbad  Karlsbad

Es folgte ein Trip über Karlsbad’s Meile. Hier sind so gut wie alle großen Markennamen vertreten. Ein Schmuckgeschäft nach dem anderen, ein überteuerter Klamottenladen folgt dem nächsten. Man läuft zwischen Menschen mit Tassen voll heißem Quellwasser, der High Society mit Ledermänteln und großen Sonnenbrillen und älteren Frauen mit Einkaufskörben und Kopftuch.
Macht man sich die Mühe und läuft durch enge Gassen Karlsbads höher gelegene Wohngegend ab, eröffnet  sich ein besonderes Bild: viele der schmucken, alten Häuser sehen von hinten aus wie Ruhrgebietsbarracken nach dem zweiten Weltkrieg. Vielleicht waren wir auch einfach nur zu einer Zeit dort, als die Bauphasen Winterpause genossen.

So richtig gereizt hat uns Karlsbad nicht.
Auf dem Rückweg kehrten wir auf eine Bratwurst für 4,- Euro ein, bevor wir Richtung Bahnhof liefen.
Als die Sonne schlagartig das Weite suchte und es anfing zu schneien, testeten wir noch die eine und andere Kneipe und wurden wenigstens dort nicht enttäuscht.

Karlovy Vary, karlsbad  D2X_0123 (425x640)  Karlovy Vary, Karlsbad Bahnhof
Die Rückfahrt verlief etwas zügiger und leider in einem modernen Zug.

In Johanngeorgenstadt fahren abends Busse nur einmal in der Stunde. Es sind auch keine Busse in dem Sinne, sondern entweder Transporter oder Kleinbusse. Und dieser, vorletzte an diesem Tag fuhr genau in dem Moment weg, als wir am Bahnhof ankamen. Also durften wir eine Stunde in der Kälte sitzen und warten. Lokalitäten hatten nicht mehr geöffnet. Es war nach 17:30 Uhr…
Nach einer kalten halben Stunde fuhr unerwartet ein Transporter in der verschneiten Dunkelheit vor dem Bahnhof vor und mein Kumpel lief freudestrahlend auf ihn zu.
Irgendwie war mir klar, dass da was faul dran ist. Ich blieb sitzen.
Ein paar Sekunden später die Ernüchterung: „oh, die … Polizei.“
Nach einer netten Begrüßung wurden wir dann erst mal gefilzt. Besonderes Interesse genoss dabei mein halb mit Bier gefüllter Fotorucksack (in Karlsbad für zuhause gekauft), nachdem festgestellt wurde, dass mein Personalausweis bei der Polizei als gestohlen gemeldet war.
Das allerdings ist schon einige Jahre her und ich musste mich deswegen schon des Öfteren rechtfertigen. Unter anderem am Frankfurter Flughafen (dazu in einer anderen Story mehr). Da wir keine größere Gefahr darstellten, wurden wir wieder allein gelassen. Die Frage, ob sie zufällig in unsere Richtung fahren würden, wurde komplett ignoriert.

Karlsbad. Becherplatz.  Karlsbad  Karlsbad

Unser Bus kam und brachte uns wieder zur Haltestelle nahe unserer angemieteten Wohnung.
Mittlerweile stapften wir durch kniehohen Schnee. Wir freuten uns auf Fußball im Fernsehen. Bundesliga. Bierchen. Unter Freunden. Astrein.
Aber in der Bude gucken…?

Kurzentschlossen zogen wir uns frische Klamotten an und stapften wieder durch den Schnee zu einer uns empfohlenen Lokalität: die „Freie Sächsische Bierkanzlei“. An das Spiel kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber an das Essen! Wahnsinn! Und das im positiven Sinn!
Der Rest ist Geschichte… ;-)

Dies war keine Fotoreise. Sollte es auch nie werden. Es war einfach ein verlängertes Wochenende zum runterkommen. Gespickt mit der einen und anderen kleinen Story.
Rückblickend bin ich mir nicht wirklich sicher, ob man Karlsbad mal gesehen haben muss. Geschichtlich nicht uninteressant. Aber auch kein Highlight.

Trotzdem wollen wir nochmal nach Potůčky. Beim nächsten Mal im Sommer, die umliegenden Wälder ablaufen. Und hier und da einkehren…

Was schreibe ich als nächstes runter?
Kärnten? Irland? Rab? Zelten in Galtür? Der Marsch zum Piz Buin?
Ich überrasch‘ mich selbst… ;-)

 

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