Keine Zeit… (und ein bisschen Fotografenpsychologie…)

POSTED IN Allgemein, Blog, Portfolio26. März 2016

www.bandphotos.de | TeamKarfreitag.(Gut, heute ist Samstag, aber ich bin gestern Abend nicht fertig geworden…)
Kommt mir vor, als wäre das der erste Tag in diesem Jahr, an dem ich nicht irgendwie arbeite.

Vor nicht ganz zwei Jahren habe ich unter www.stephanklement.de/entschleunigung-in-oesterreich einen Artikel geschrieben, wie ich in den Bergen zur Ruhe komme.
In den zwei Jahren ist einiges passiert und ich freue mich, in absehbarer Zeit wieder etwas Zeit in den Alpen verbringen zu können.
Dennoch, auch wenn es bei einem Fotoshooting innerlich nicht immer entspannt zugeht (was wiederum selten jemand mitbekommt), mag ich das, was ich tue. Die Vorbereitungen, die Hektik, die wenige Zeit, die man hat, um sich um das finale Licht am Set zu kümmern und letztendlich im richtigen Moment abzudrücken. Bei mir muss es schnell gehen – ohne dass sich jemand unwohl fühlt oder das Gefühl bekommt unter Zeitdruck zu stehen. Deswegen freut es mich auch umso mehr, dass unsere Visagistin und Stylistin Lena bei bandphotos.de jetzt fest mit im Team ist! Eine gute Maske ist nicht nur ein Handwerk – es ist Kunst. Und schnelle Kunst ist wiederum eine Kunst für sich.

Apropos AlpenBad Gastein: zwischendurch war ich mit einem Kumpel im Salzburger Land unterwegs. Die Kurztrips, die wir immer mal wieder unternehmen. Drei Nächte irgendwo, wo wir noch nicht waren. Gut essen, Rotwein, reden (wenn auch nicht immer ernst zu nehmende Themen), die Natur genießen. In Bad Gastein sind wir 11 Kilometer gelaufen. Zwischendurch gab’s dann noch einen Ausblick, zu dem ich mich überwinden musste. Als ich es zugelassen habe, war es wie immer: einfach nur fantastisch! Zwei Wochen noch, dann geht’s wieder los…

Stephan Klement Visagistin Lena

Vorher allerdings bin ich mal wieder in Norddeutschland unterwegs. Es ist mir eine Ehre, mit Norman Keil auf Tour zu gehen! (Jedenfalls beim Eröffnungswochenende. Auf Sylt werde ich im Spätsommer wieder dabei sein.)
Unsere Symbiose fruchtet hervorragend – in kürzester Zeit haben wir wahnsinnig viel auf die Beine gestellt. (Falls sich jemand fragt, warum so wenig gezeigt wird: kommt noch. Wir haben gut vorgearbeitet.)
Eigentlich war diese Fülle an Material gar nicht geplant. Allein aus Zeitgründen – bei ihm noch schlimmer als bei mir – war es theoretisch überhaupt nicht möglich. Trotzdem hat es irgendwie funktioniert. Wenn wir nicht allein kreativ waren, hatten wir ein tolles, kleines Team – wie auf dem Bild hier drunter zum Beispiel. Es fehlt eigentlich nur noch mein Kollege und Kumpel Torsten. Eine bessere Crew kann ich mir gerade nicht vorstellen.

Leider, leider geClou Grünberg - Norman Keilhört zu der Realität die Tatsache, dass man immer wieder auf Menschen trifft, die einen dazu bringen, seinen Job und seine Ziele zu überdenken. Dazu bin ich vor kurzem von jemandem, der relativ neu in der Fotobranche ist, angesprochen worden, der natürlich namentlich nicht genannt werden möchte. Man kennt sich, tauscht sich aus; irgendwann kommt der Punkt, an dem essenzielle Fragen aufkommen. Üblich bei empfindsamen Menschen, sobald das Eis gebrochen ist.
Ich habe immer noch das unverschämte Glück, dass der Großteil der Menschen, die ich vor der Kamera habe, einfach toll sind. Charakter haben.
Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass der ein oder andere, nun ja, Arsch dabei ist. Weiß man vorher nicht. Ist auch erstmal egal. Es ist ein bezahlter Job. Was soll es einen interessieren, wie der Klient tickt…
Manchmal weiß man es vorher zwar, aber das Geld ist einfach zu verlockend. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn manch sensibler Mensch diese Erfahrungen nicht machen müsste. Andererseits: wo bliebe dann dieser Moment, in dem man über sich hinaus wächst, weil man gelernt hat, damit umzugehen?

Stephan Klement Norman KeilZweifel kommen und gehen, daran kann man nichts ändern. Man wird immer wieder mit Problemen unterschiedlichster Art konfrontiert, aber man wird damit klar kommen. So schwer es einem auch anfangs vorkommen mag. Ich habe das selbst alles erlebt, obwohl ich eine Zeit lang gedacht habe, mich wird das nicht erreichen. Der Knackpunkt ist: weitermachen oder nicht?

Ich kann nur jedem raten – und in diesem Fall waren die Fotos der Fotografin richtig, richtig gut – weiterzumachen und sich nicht unterkriegen zu lassen.
Hand aufs Herz: die Zweifel entstanden, weil man das Gefühl hatte, jemand mit völliger Selbstüberschätzung und einem wahnsinnig hohen Selbstbewusstsein und großem Wirkungskreis macht einen hinter dem Rücken schlecht. Man verliert vermeintlich Kunden, Bekannte; es wird gelästert, obwohl man eigentlich selbst nur ein Ziel hat: gute Arbeit zu leisten, sich weiterzuentwickeln und im Idealfall seinen Kundenkreis auszubauen.
Mal ehrlich: will man den Kreis derjenigen, die auf dieses Gerede reinfallen und ohne subjektive Erfahrungen mit der eigenen Person zu seinem potentiellen, zukünftigen Kundenkreis zählen?
Ich denke, die Frage beantwortet sich von selbst. Mit Professionalität hat das alles nichts zu tun.
Und das ist auch gut so. Sonst könnt’s ja jeder.

Ich wünschte, dieses Problem könnte man auf einen Bereich der Fotografie begrenzen. Dem ist leider nicht so. Es ist ein Job. Da kommt sowas immer wieder vor. Idioten gibt es überall. Wie in jeder Branche, wie in jeder Situation.

Standbild Lena - Norman Keil - Stephan KlementAber es gibt auch diese Highlights, die alle Zweifel vom Tisch fegen (bis auf die, die man sich selbst auferlegt).
Klar, man kann sich auf den Highlights ausruhen. Aber für wie lange?
Es geht alles so viel schneller, als es „früher“ mal war…

Stimmt auch nicht – früher ging auch alles schnell – man hat es nur nicht so extrem mitbekommen, weil es die Form der Medien nicht gab, die es heute gibt. Der Kampf bleibt der gleiche.
Das Wichtigste ist und bleibt: trotz des Stresses, der Zweifel, der Konkurrenz oder was auch immer: Spaß! :-D
Tatsächlich!
Egal in welchem Job – Spaß ist die Essenz! Wirklich Spaß macht es doch nur, wenn man die negativen Seiten kennt, das Beste draus macht, sich aus den Tiefschlägen heraus weiterentwickelt, aufsteht und daraus einen Erfolg entwickelt!
Wirklich darüber lachen, so anstrengend die Geschichte, der Weg auch gewesen sein mag, kann man nur mit jemanden, der einen ähnlichen Weg gegangen ist.
Wer sucht schon Freunde unter seinen Klienten?

(Obwohl… kommt tatsächlich auch vor…) ;-)

In diesem Sinne – viele Grüße und Kopf hoch – frohe Ostertage!

Norddeich - Norden - 2014

Norden, Norddeich 2014 | kurz vor der Überfahrt nach Norderney

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