Entschleunigung in Österreich

POSTED IN Blog, Fotografie, Portfolio28. April 2014

Unterwegs in TirolAuszeit. Ruhe. Runterkommen.
Wir rennen viel zu oft und bekommen nicht mal mehr mit, wie wichtig das Bremsen ist.
Und dann knallt’s irgendwann. Irgendwie…

In den letzten Jahren habe ich mir angewöhnt, mehr oder minder regelmäßig Urlaub zu machen. Mehrmals im Jahr. Ohne Stress und Hektik, ohne viel Menschen um mich herum. Dabei bevorzuge ich entsprechende Gegenden, am liebsten abgelegen. Oder wenigstens nah an der Natur. An den Bergen. Dort komme ich „runter“ und finde zu mir selbst. Das mag kitschig klingen, trifft es aber auf den Punkt.
Entschleunigen. Aber fangen wir von vorne an…

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne arbeiten. Und viel. See, TirolWährend einige Gleichaltrige jetzt schon davon träumen, ist mir der  Gedanke an Rente völlig fremd. Nicht nur mein Hauptberuf, auch mein Gewerbe als Fotograf und Bildbearbeiter machen mir Spaß und erfüllen mich. Ich brauche einfach diese Bewegung – etwas tun, dabei lernen, sich weiterentwickeln. Wenn ich wirklich mal etwas Zeit für mich habe, lese ich Fachmagazine oder bilde mich weiter. Natürlich darf man dabei auch nicht vergessen, dass die beste Frau der Welt nicht vernachlässigt werden darf.
Trotzdem: dieser ganze Prozess hat auch Nachteile, unter denen Qualität und Gemüt irgendwann zwangsläufig leiden. Also: Urlaub machen. Runterkommen.

In den letzten vier, fünf Jahren war ich so oft in den Bergen wie in meinem ganzen Leben noch nicht zusammen, vorzugsweise in Österreich. Kärnten, Salzburg, Tirol, Vorarlberg. Alles in allem waren es pro Jahr mindestens 2 Besuche. Ich bin süchtig geworden.
Start_Ziel-NockalmNach den ersten ein, zwei Tagen komme ich runter, reflektiere, bin bei mir selbst. Wenn ich dann zwischen den Bergen sitze (für Gipfelbesteigungen bin ich noch nicht bereit…), fühle ich eine Form von Freiheit, wie ich sie sonst nie kennen gelernt habe. Alles ist klein, weit weg. Alltagsprobleme, Stress, ich.
Dennoch habe ich immer eine Kamera dabei. Ohne geht gar nicht mehr.
Wenn ich mit einer kleinen Gruppe Freunden unterwegs bin, laufen die Tage etwas anders ab, als wenn ich mit meiner Partnerin unterwegs bin. Dennoch: ein bisschen Action ist immer angesagt.
(Im Bild links habe ich eingezeichnet, wie ich letztes Jahr mit einem Freund die gegenüberliegende Seite der Nockalm in Kärnten bewandert habe.
Der gelbe Strich war die bequeme Fahrt mit der Gondel hoch, das rote Zickzackmuster war unser Weg zu Fuß wieder runter. Teilweise sehr anstrengend, aber auch sehr lustig und einfach – toll!
Die Seite, von der das Foto gemacht wurde, sind wir jeden Tag auf- und abgewandert. Nicht dass jemand denkt, wir würden den ganzen Tag an der Bar sitzen…)

Ein weiteres Highlight war das romantische Zelten am Zeinissee, einem Bergsee in den Alpen bei Galtür. Dort ist auch eines meiner Zelten am Zeinissjochpersönlichen Lieblingsbilder entstanden, was in meinen Augen so ziemlich das widerspiegelt, was man im Jahr 2014 als Freiheit bezeichnen kann (siehe rechts). (Klickt man auf der Webseite der Campingplatzbetreiber am Zeinissee in die Bildergalerie, kann man dort ein Foto sehen, das ich aus dem Zelt geschossen habe. An dieser Stelle ein herzlicher Gruß an Familie Lorenz!). [Die restlichen Fotos sind nicht von mir. Anm. d. Verf.]

Ganz besonders genieße ich immer wieder diese Ruhe, die man nur in den Bergen hat. Wenn man etwas hört, dann ist entweder der Wind, oder ein Wasserfall irgendwo in der Nähe. Ab und an hört man noch den einen oder anderen Vogel. Oder selten mal ein Murmeltier.
Das war’s.
Kein Geschrei, keine Autos, kein Telefon, kein Fernseher.
Die Ruhe da oben wirkt sich automatisch auf Körper, Geist und tatsächlich der Fotografie aus. Man nimmt sich mehr Zeit. Anfangs noch unbewusst, habe ich dennoch relativ schnell gemerkt, dass jedes Foto mit einer ganz anderen Herangehensweise entsteht. Wenn man nicht gerade sechs Kilometer bergauf zum Piz Buin, SilvrettaPiz Buin läuft und hin und wieder anhält, nach Luft schnappt und ein Foto schießt. Folgt man dem Weg auf dem Bild links ins obere Drittel, kann man erahnen, was es mit der Strecke auf sich hat.
Ziemlich ernüchternd, wenn man von rüstigen Rentnern überholt wird…

Man hat seine Ruhe, und das tut gut. Was man auch hat, ist ein Handy. Bzw. Smartphone. Ich habe meines immer dabei. Allerdings ist es ausgeschaltet und dient eigentlich nur dem Zweck im Notfall die Bergwacht oder Sparkasse anzurufen…
Klar, man knipst schon mal ein Foto für Freunde, aber im Großen und Ganzen bleibt es aus.
Im Zelt oder der Herberge wird dann zum Ausklang des Tages gelesen. Was bietet sich da in der heutigen Zeit mehr an, als ein großes Smartphone oder Tablet, um keine Bücher mit sich rum zu schleppen?

Pustekuchen. Ich mag’s Retro. Wenn ich lese, habe ich immer noch am liebsten ein Buch oder eine Zeitschrift in der Hand. Man könnte natürlich argumentieren, dass es zu schwer ist, oder nicht gerade umweltschonend, wo es doch eben die digitalen neuen Medien drauf haben.Talwanderung, Ischgl
Ich mag’s ganz einfach! Für mich ist ein Buch immer noch etwas, mit dem ich mich nachhaltig mehr beschäftige, als mit Daten, die auf einem Smartphone liegen. Und gerade deswegen lese ich in den Bergen weitaus mehr als in der Zeit sonst.

Bücher, die mir wichtig sind, verkaufe ich auch nicht wieder. Ich werfe sie natürlich auch nicht weg. Sie stehen irgendwo in der Wohnung. Griffbereit. Ein Buch sehe ich an und kann mich daran erinnern. An den Inhalt, an die Zeit und die Gegebenheiten, zu denen ich es gelesen habe. Am Laptop laufe ich nicht vorbei und denke daran, wie viele Momente darin festgehalten rum liegen. Und genau deswegen drucke ich immer wieder – ganz klassisch – Fotos aus, und/oder erstelle Fotobücher.
Man investiert dabei etwas ganz wichtiges, was man sonst scheinbar nie hat und immer wieder vernachlässigt: Zeit. Hier trennt sich auch die Spreu vom Weizen. Mal eben ein paar Bilder machen und ausdrucken ist meines Erachtens ein himmelweiter Unterschied zu fotografieren, bearbeiten, ausdrucken (lassen) oder ein qualitativ hochwertiges Fotobuch zu erstellen. Alleine die Postproduktion nimmt derart viel Zeit in Anspruch, dass man schnell die Lust und Kreativität verliert. Aber genau das macht es aus.
Schaller Klamm, See, TirolWenn der Urlaub um und wieder Alltag angesagt ist, verbringe ich gerne hin wieder Zeit damit, mir die Fotos anzusehen, dabei Musik zu hören und sie dann so zusammen zu stellen, dass ich mir ein Buch drucken lassen kann, das dann bei uns im Regal steht. Oder mal auf dem Tisch liegt.
Etwas, was man greifen kann. Was man festhält.
Und – seien wir mal ehrlich – es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn man das Päckchen aufmacht und einem das Buch entgegenblickt!
Komisch eigentlich, dass man Tage, Abende und Nächte mit Bearbeitungen verbringt, die Dateien dann endlich hoch lädt und dann nicht abwarten kann, bis es endlich ankommt.
Ich rede zwar selten über Technikkram öffentlich, aber dahingehend kann ich guten Gewissens sagen, dass ich  qualitativ und zeitlich die besten Erfahrungen mit CEWE gemacht habe.

Ich freue mich schon darauf, den nächsten Teil meiner Urlaube und Fotosafaris zusammenzustellen. In ein paar Tagen ist es nämlich wieder soweit.
Erst Berchtesgaden, dann Griechenland, dann wieder Österreich und dann… wir wissen es noch nicht. Aber es wird entspannt!

Und genau das mache ich jetzt auch – entspannen.
In diesem Sinne:

Cheers!

 CEWE Fotobuch

 

 

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